Ministerbrief

 

Im Rahmen der 2. Tagung "Deutschdidaktik in Östereich" vom 25.-28.9.1991 in Klagenfurt hat sich der Arbeitskreis "Interkulturelles Lernen" mit Problemen und Möglichkeiten beschäftigt, die sich im Deutschunterricht für alle am Unterrichtsgeschehen Beteiligten durch den steigenden Anteil von SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache ergeben. _ Sehr geehrter Herr Minister, eine grundlegende Voraussetzung für eine Verbesserung der derzeitigen Situation liegt in Ihrem Kompetenzbereich. Wir fordern Sie daher auf, die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen für:

- Die Einführung des Unterrichtsprinzips "Interkulturelles Lernen" (analog zum Pflichtschulbereich) an den AHS, BMHS und BBS in allen Fächern.

- Die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen, z.B. durch Beggleitlehrersystem, durch Einführung einer Teilungsziffer für den Deutschunterricht bei einer bestimmten Anzahl von SchülerInnen, für die Deutsch eine Fremdsprache ist.

- Die unbürokratische Bewilligung/Installierung von ganzjährigen Förderkursen "Deutsch als Zweitsprache" unbahängig von der Schülerzahl.

- Den Abbau von Bildungsschranken durch Einführung von speziellen DAF/DAZ-Kursen für Quereinsteiger nichtdeutscher Muttersprache an den entsprechenden Schulen.

- Eine flexible Anwendung der Leistungsfeststellungsverordnung (Beurteilung des individuellen Leistungsfortschritts in Deutsch).

- Erweiterung von SCHUG Paragraph 18 Z.11 Anm. lit.c und analoge Regelung in der Reifeprüfungsverordnung.

- Erweiterung des Zusatzangebots an muttersprachlichem Unterricht und dadurch Aufnahme weiterer Fremdsprachen in den Regelunterricht für die österreichischen SchülerInnen.

- Vermehrte Berücksichtigung von DAZ/DAF in der Lehrerausbildung und -fortbildung.

- Attraktive Ausbildungs- und Anstellungsmöglichkeiten für zweisprachige Lehrerinnen.