Bericht von der konstituierenden Sitzung der Arbeitsgruppe "Interkulturelle Bildung" der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (Zeitraum 1994 bis 1996) 14. - 15. Okt. 1994, Hamburg

Teilnehmerkreis: etwa fünfzig WissenschaftlerInnen aus mehreren Ländern; Österreich ist mit TeilnehmerInnen vom Bereich Deutsch als Fremdsprache der Univ. Wien beteiligt, vom Pädagogik- Bereich der Univ. Klagenfurt und von der Pädagogischen Akademie und dem Pädagogischen Institut des Bundes in Salzburg

Verlauf: In jeweils zwei-Stunden-Blöcken wird mit wechselnder Moderation versucht, einen gemeinsamen begrifflichen Zugang zur Interkulturellen Bildung zu finden. Dafür wurden die etwa hundert Seiten umfassenden vorher versandten Papiere zugrundegelegt. In Laufe dieser intensiven Plenums-Gespräche wird eine Vorstellung gewonnen, welche Schwerpunkte einzelne TeilnehmerInnen aufgebaut haben: Projekte an Universitäten; Projekte im FABER-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG); anwendungsorientierte Projekte. (FABER ist ein Akronym für "Folgen der Arbeitsmigration für Bildung und Erziehung")

Von den Beiträgen, welche mit der Einladung versendet wurden, seien jene der österreichischen genannt:

- Klaus-Börge Boeckmann und Claudia Koliander-Bayer: geplantes Forschungsprojekt am Lehrstuhl Deutsch als Fremdsprache, Univ. Wien, "Deutsch in der mehrsprachigen Stadtregion".

- Peter Gstettner und Vladimir Wakounig: Antirassismus als Didaktik und Forschungsdesign - das Klagenfurter Konzept.

- Aus dem Bereich der Pädagogischen Akademien Österreichs wurde der Studientext "Interkulturelle Bildung - Lernen kennt keine Grenzen" vorgelegt und seine Entstehungsgeschichte durch Gerd Lau skizziert.

Die Diskussionsbeiträge umfassen mehr als hundert Seiten und können im Projekt der Pädagogischen Tatsachenforschung "Deutsch als Zweitsprache: Innovative Methoden" an der PA und am PI des Bundes in Salzburg eingesehen werden. Weiters werden sie beim Erfahrungsaustausch für die Zusatzausbildung "Interkulturelles Lernen" in Salzburg, Jänner 1995, referiert werden.

Auf der nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe soll jeweils ein konkretes Beispiel für Identitätsprobleme der Inländer und der Migranten gefunden und beschrieben werden sowie Definitionsversuche zum Begriff der Identität fortgesetzt und verfeinert werden.

Die Arbeitsgruppe kann noch um weitere Mitglieder erweitert werden, soll dann aber einen gleichbleibenden Stil entwickeln, der auch durch einzelne Begegnungen zwischen den Sitzungen geformt wird.

Perspektiven der Arbeitsgruppe: Jährlich soll etwa eine Sitzung stattfinden, sodaß 1996 am Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft das Arbeitsergebnis eingebracht werden kann.

Als möglicher Ort des Treffens wird auch Salzburg genannt sowie ein Ort, welcher mehr im Zentrum der Bundesrepublik liegt als Hamburg. Auf einen internationalen Bezug der Arbeit soll vermehrt, auch durch Rezeption bildungswissenschaftlicher Literatur aus dem fremdsprachigen Ausland, geachtet werden, um dem Vorwurf zu begegnen, es handle sich weniger um eine deutsche Gesellschaftum für Erziehungswissenschaft als um eine "Gesellschaft für deutsche Erziehungswissenschaft", wie es ein Teilnehmer formulierte.

Salzburg, 16.11.1994 Prof. Mag. Gerd Lau, e.h.