Gerd Lau, in: Interkulturelles Lernen an Pädagogischen Akademien. Bericht 1. Salzburg 1991.
Schulsituation und Lehrerfortbildung in Salzburg
Auf die Zunahme von ausländischen Kindern (1980 ca 1000, 1990 über 2000 Schüler/innen in den Pflichtschulen) wurde relativ früh mit der sogenannten "Bunten Klasse" reagiert, die in einem Lehrplan für Seiteneinsteiger schwerpunktmäßig Deutsch vorsieht. Daneben wurde mitunter der Zusatzunterricht Deutsch (2 Wochenstunden) angeboten.
Die Angreifbarkeit der wenig integrativen Bunten Klasse führte dazu, daß sie nunmehr nicht mehr für Volksschüler angeboten wird und daß auch in der Hauptschule nach neuen Modellen gesucht wurde. U.a. war dies verstärkter Deutschunterricht während der Unterrichtszeit (wie Begleitlehrer in Wien), Teilintegration in Regelklassen, Führung einer gesonderten Leistungsgruppe etc.
Wesentliches Gewicht lag von Beginn an auf der Heranbildung einer erfahrenen und motivierten Arbeitsgemeinschaft, die bald auch bildungspolitische Forderungen stellen konnte. Hierzu wurden zunächst Erfahrungen aus der BRD genutzt: Referenten vom Goethe-Institut und der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen nahmen an Wochenseminaren teil.Als dieser Impuls noch nicht ausreichte, wurde ein motivierender Seminartyp geplant, der Teil eines Projekts der pädagogischen Tatsachenforschung war.
Der Erfolg zeigte sich nach 1985, als Seminarteilnehmer als Referenten eintraten, eine Arbeitsgemeinschaft bildeten und den Antragstext für weitergehende Fördermaßnahmen schrieben. Einladungen nach Vorarlberg, Tirol und in die Steiermark bewiesen die Effizienz des Salzburger Weges, ermöglichten aber auch eine Einschätzung der Bedürfnisse in ganz Österreich.
Das Pädagogische Institut bot neben den jährlichen Wochenseminaren folgende Kurse an: Deutsch für Lehrer im muttersprachlichen Zusatzunterricht; Balint-Gruppe für Lehrer/innen, die schwerpunktmäßig mit ausländischen Schülern arbeiten; Workshops zur Materialienproduktion; Türkisch-Kurs für österr. Lehrer/innen; Fachvorträge bei ARGE-Treffen; etc.
Ab Sept. 1990 wird ein Materialienraum mit wöchentlicher Beratung zur Verfügung stehen.
Für die Entwicklung weiterer Projekte hat sich die enge Kooperation zwischen Pädagogischer Akademie und Pädagogischem Institut sehr bewährt. Weitere Fachkontakte bot der ÖDaF (Österr. Lehrer/innenverband Deutsch als Fremdsprache) und das BIFEB ( Bundesinstitut für Erwachsenenbildung) in Strobl, wo seit 1988 institutionenübergreifende Seminare stattfinden.
Gegenwärtige Schwerpunkte liegen in der Anpassung des muttersprachlichen Zusatzunterrichts an die veränderte Situation (d.h. Österreich als Einwanderungsland), in der Vorbereitung der Lehrerschaft auf neue Schulversuche und in der Vorbereitung von Gesetzesvorschlägen, um die Provisorien zu beenden.